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KIK – Kunst in der Kanzlei

Derzeit stellen wir in unseren Räumen Fotografien des Bildjournalisten Thomas Kube aus Grimma aus.

Gedanken zur Ausstellung "Lebenslinien"

Das Bild, speziell das fotografische Bild, nimmt als Kommunikationsform in unserer bedingungslos schnelllebigen Kultur eine herausragende Position ein.

Dem Wahrheitsanspruch der uralten chinesischen Weisheit, der zufolge einem Bild mehr Bedeutung zukommt als tausend Worte, ist wohl auch heute wenig entgegenzusetzen. Eine Fotografie soll vor allem Informationen vermitteln oder eine Geschichte erzählen, eine interessante Geste einfangen, eine besondere Mimik, ein Lächeln zeigen, Gefühle auslösen. Den richtigen, perfekten Moment in Verbindung mit einem geschulten Auge für eine optimale Bildgestaltung, festzuhalten und ihn gewissermaßen Zeit unabhängig erstarren zu lassen, das war und ist der große Vorteil des ambitionierten Fotojournalismus gegenüber den fortlaufenden, unruhigen Fernsehbildern. Diese sind im eigentlichen Sinne auch nur "bewegte Fotografien". Wichtig hierbei ist die Wahl des Motivs, aber ob es unsere Aufmerksamkeit fesseln kann, hängt im Besonderen von der Wahl der ästhetischen Mittel, das heißt der Gestaltung der Komposition des Fotos ab.

Fotoausstellungen sind in der heutigen Zeit bunter und plakativer Bilder schon zur Regelmäßigkeit geworden. Leider passen sie sich überwiegend den Thematiken an, die eine heile Welt suggerieren: Schöne Landschaften, Urlaubsfotos, Blumen und Pflanzen oder Porträt- und Aktaufnahmen von jungen makellosen Menschen. Der Alltag mit seinen täglichen Problemen spiegelt sich dort kaum wieder. Ältere Menschen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind, mit Einsamkeit, Krankheit und dem bevorstehenden Tod konfrontiert sind, bieten kaum plakative Motive. Doch gerade diese Fotos erzählen Geschichten, fordern den Betrachter zum Nachdenken und klagen vielleicht auch im Sinne der Abgebildeten an: Vergesst uns nicht.

Dem Bildautor dieser Ausstellung ist genau das bewusst.
Er erhofft eine Aufmerksamkeit für seine Fotos, die in dem heutigen Medienrummel leider gern bewusst oder unbewusst übersehen wird.

Thomas Kube,
freiberuflicher Bildjournalist (u.a. für Sächsische Zeitung & Leipziger Volkszeitung),
Leiter Arbeitskreis Fotografie im Kunst- und Fotoverein Grimma e.V.

SZ-Artikel vom 5. Oktober 2010